Mittwoch, 10. März 2010

Kommando Penis!

Es schien in diesen Raum niemanden wirklich zu interessieren, wer ich war und doch fühle ich mich in meinem Kostüm als Außenseiter. Ein mit verspiegelter Pilotensonnenbrille breit grinsender Riese tanzt mich zusammen mit seiner Armee von Freunden um. Meine Füße tun weh. Die Armee marschiert regelmäßig drüber. Schon wieder. Sie nicken alle gleichzeitig im Takt zur Musik. Alle Grinsen. Die Augen sind verspiegelt. Ich weiß nicht, ob sie mich anschauen, oder ob ich mich nur in ihren Spiegelgläsern wiederfinde. Ich hoffe nicht.

Ich beschließe mich weiter zu betrinken um diesem Wahnsinn einen Sinn zu geben – wenigstens für mich. Wenigstens für noch ein paar weitere Stunden. Ich wollte nicht alleine weg gehen. Ich fühlte mich alleine. Verrückt, bei der Tatsache, dass ich beim durchwühlen der Masse so gar über ein paar am Boden zurück gebliebenen Alkoholleichen steigen musste, die einmal links und einmal rechts von sich zeigten, was sie vor ein paar Stunden in der Dönerbude zu sich genommen hatten. Sie waren links rechts, oben und unten und trotzdem war ich alleine.

Ich würde nicht kotzen. Das hatte ich mir schon lange abgewöhnt. Ich bestellte das Bier.
Gekotzt habe ich mit 16 oder so – ich weiß nicht mehr genau.
Das Bier tut mir gut. Ich versuche zu lachen, um angetanzt werden. Ich weiß, dass mir das Lachen nicht abgekauft werden würde. Egal.
Ich schaue zur Seite. Nein nach links; Da hat mich wer angetanzt. Ein Mädchen. Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer. Oder war das die Leber? Ich trinke einen Schluck Bier – bin nervös.
Nein, die Leber kann es nicht gewesen sein. Wenn die sich meldet, dann sticht sie immer nur ziemlich gemein. Wie ein wild gewordener Glasnudel-Chinesenverkäufer auf Opium, dem man sagt, dass der Kommunismus tot ist. Über Verkaufstheke springend rammt er mir seine kleinen Stäbchen in die Seite. Es tut weh, in meinem Herz. Nicht die Leber. Der Kommunismus ist tot? In China bestimmt.

Sie guckt zu mir und ich bekomme einen Steifen. Ich bin überrascht von mir selbst. Nach der Flasche Wein von vor 2 Stunden, den 5 Bieren und den Kurzen hätte ich nicht gedacht, dass ich jetzt noch alleine vom Anblick einer Süßen einen hoch bekomme. Sieht man meine Latte? Scheiß drauf. Ich guck noch mal kurz zu ihr, aber sie hat sich ihrer Freundin zugewandt. Da ist noch eine. Sie tanzen zu dritt im Kreis. Der Zirkel der Einheit. Immer das selbe getue. Immer der selbe Tanz. Immer die selbe Uniform. Konzentriert.

Egal. Ich will sie ficken. Mein Penis übernimmt die Kontrolle. Penis sagt: ficken. Befehl wird ausgeführt. Die Beule wächst. Alles egal in diesem Moment – ich mache mich auf Expeditionsreise und hoffe im richtigen Feuchtgebiet zu lande.
Meine Hand wandert ganz automatisch in ihre Richtung. Ich gucke ihr nicht nach. Die Hand macht das schon. Ziel erreicht;
Phase 2 wird eingeleitet: Leichtes Hüften streicheln. Rechter Arm führt Bier zum Mund. Penis sagt: Phase 3 einleiten!

Ich fühle mich nun genau wie die anderen um mich herum. Eine Einheit. Ein Takt. Ein Marsch. Die Hüfte fühlt sich komisch an. Sie dreht sich um und klatscht mir eine. Die linke Hand war zu weit oben. Hüftenrätsel gelöst.
Die Kotze, die ich grade noch erfolgreich umgehen konnte, kommt mir entgegen geflogen. Intuitiv versuche ich noch während ich hinfliege mein Bier zu retten und gleichzeitig meinen Kopf in eine schützende Position zu verlagern. Beides gelingt mir nicht.

Als ich meine Augen wieder aufmache, hat sich ein kleiner Kreis um mich gebildet. Ich wische mir die Dönerreste aus meinen Haaren. Rote Soße klebt nun an meinen Händen. Genau die selbe, wie sie aus meiner Nase läuft. Vielleicht stellen die mich in dieser Dönerbude als Soucenspender ein. Ich werde die Verwundeten Opfer am Boden später fragen; Möglicherweise ihre Wunden lecken. Schließlich gehöre ich nun zu ihnen.

In den Sommerferien wollte ich trampen – nach Slowenien. Ich hab da letzten Sommer dieses Mädchen am Strand gesehen. Ich brauche Geld. Eine Hand zieht mich hoch, die andere bietet mir ihr Bier an – dachte ich zumindest. Ich versuche aus dem neuen Bier zu trinken – dankend. Die Faust hat mich wieder zu Boden geführt – undankend meinerseits.
Mein Penis hatte sich verzogen und das schmerzende Gehirn funktionierte mit seinem gewohnt nervigen Gehabe. Ein zweites mal zog mich keiner hoch. Ich robbte mit der Eleganz eines Kasten Lidl-Biers an den Rand der Tanzfläche.
Die Sonnenglaspatroten von letzter WM umtanzten mich schmerzvoll.

Eine andere Süße drücke mir ihren Stiefel ins Gesicht – oder war es die selbe Süße wie eben? Alle gleich. Ich pöbele sie vom Boden aus an. Sie hört nicht. Der Chinese in mir wird wütend. Er will Blut sehen. Ein Plan muss her, der diesen Abend rettet. Plan A verwerfe ich, weil ich keine Pistole dabei hatte also entschließe ich mich für Plan B. Plan A wäre sicher reizvoll für die allgemeine Stimmung in diesem Öden Schuppen gewesen; Aber ich nenne mich einen Pazifist. Wir sind Pazifisten.

Plan B: Mit letzter Kraftreserve revolutioniert das Krichtier in mir zum Klammeraffen. Zielsicher visiere ich sie an und klemme mich an das Bein der Süßen. Es war nicht die selbe wie vorhin – die hatte nicht so einen Arsch. Wer weiß über wie viele Tanzflächen dieser Arsch Inklusive Vagina schon gewischt ist. Die ganzen Scherben von zerbrochenen Bierflaschen auf dem Boden, wie wild durch die Gegend geschossene Granatensplitter; Diese Trümmerfrau wischte sie alle weg. In meinem Kopf verlieh ich ihr dafür das Mutterkreuz.

Der Kampfchinese aus den Glasnudelladen schießt mir wieder in den Kopf. Dieses mal steht er hinter einer Folterbank. Früher haben sie Strafgefangenen Glasröhren unter die Penishaut geschoben und dann mit einem Hammer zerschlagen. Das wollte ich nicht. Gehirn kämpft mit Penis. Gehirn sagt: Nein!

Ekel macht sich in mir breit. Endlich. Ekel vor mir selbst und Ekel vor dem Ekelweib. Ich klebe an ihr fest. Hilfe. Bekomme ich sie in die Kiste?, fragt Penis.
Ich spüre langsam, dass ich meine guten Vorsätze über Bord werfen würde, denn Kotze stieg in mir hoch.
Ich hatte kein Lust irgendwelchen Ärzten zu erklären, warum mein Genitalbereich auf einmal in hellen Regenbogenfarben leuchtete. Scheiß Praxisgebühr. Die Praxisgebühr hat mich an den Eiern.
Die Arsch-Süße hatte sich inzwischen von ihrem Schreikrampf beruhigt und versuchte mich nun wie einen überflüssigen Migranten von ihrem Bein abzuschieben.
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Glasnudeln werfen, sondern mit Steinen. Die funktionieren wenigstens. Die-Ex-Mutterkreuzträgerin würde ich nicht abwerfen. Ich gab also nicht auf. Ein dicker Mann mit Schlagstock half mir meinen Willen zu brechen. Stöhnend gebe ich auf. Die Security verstieß mich aus dem Glashaus. Heile lassen sich mich nicht.

Das Ohr wird zum Saucenspender. Jetzt muss mich die Dönerbude aber einstellen, denke ich bei mir, während die Sonnenglas-Fraktion sich kollektiv über mich beugt und lacht. Ich fühle mich traurig dabei und hoffe, dass mein Über-Ich lacht. Hörst du mich? Kein Anruf unter dieser Nummer. Genau wie bei der Süßen. Dann bin ich halt alleine. Ob nun im innerhalb oder außerhalb vom Glashaus...

...drinnen konnte ich mich an der Bar wenigstens betäuben.