PIEP. Ich entdecke, dass der schiefe Ton aus meinem Handy kommt. PIEP. Der Wodka von vor ein paar Stunden, hat mich immer noch im Griff. PIEP. Das vibrierende Ding fällt zu Boden und kämpfte um Aufmerksamkeit, wie ein Delphin, welchen chinesische Dorffischer an den Eiern hatten, zappelnd um sein überleben. PIEP. Delphine auf ein kleines Fischerboot zu laden, war nicht einfach. Harte ehrlich Arbeit für 1300 Millionen hungrige Chinesen und die Regierung will ihnen das auch noch mallmig reden. PIEP. Nur weil ein paar verrückte Tierschützer sich in den Kopf gesetzt haben, dass Delphine besonders hilfsbedürftig seien. Wenn Flipper anfangen würde zu kiffen, hätte er sicher nicht mehr so viele Freunde. PIEP! Was ist mit den Lesern der Bild? Die werden auf einem so niedrigen Bildungsniveau gehalten, dass man sich wundern muss, wie sie es trotzdem noch schaffen komplexe Gedankengänge wie Rassismus, Antisemitismus und Sexismus in ein strukturiertes Weltbild zu basteln und es dann auch noch reproduzieren. PIEEPP! Die sollte man unter Artenschutz stellen! PIIEEPP!!!
Ein Freund war Fan von Verschwörungstheorien: Der 11. September 2001 - Nur eine bombastische Inszenierung des in seinen frühen Jahren gescheiterten Nachwuchs-Regisseurs „Georg W. Busch“? Hitler wollte eigentlich auch mal Kunst studieren. Die Ablehnung seiner Bewerbung an einer Kunsthochschule hatte weitreichende Folgen. Hätte man ihm statt der Macht über die Gaskammern doch lieber die selbige über einen Pinsel gegeben.
Dieser Freund steckte mir in einer Barnacht, dass Friedensaktivisten in Afghanistan Bomben in Handyakkus einbauen und dann in europäische Länder verschicken. Ein hoch auf den Hindukusch und seine präventive Friedenssicherung.
Frieden wird oft überbewertet. Was hätte Deutschland vom Weltfrieden? Wohin all die Armeen? Die Leute brauchen einen Job; Rational betrachtet:
Ich hab kein' Bock mit 50 000 000 Millionen mehr Arbeitslosen um meine 400 Ökken im Monat zu konkurrieren! Es sei denn man steckt den Mob in einen großen Topf und macht Spagetti für die gesamte Erdbevölkerung draus. Das würde so gar für eine Sauce reichen. Braune Sauce mag ich nicht... Scheiß drauf, ich würde die kochen. Klar! Für 400 Euro im Monat?
Deutschland könnte die Nudel exportieren. Deutschland könnte so viel exportieren:
1.)sich nur noch auf dem bodenrollend fortbewegende, mit einem halben Arm in Heroinspritzen steckenden Alkohol- bzw. Fußballfans
2.)eine Buntetüte rechtesGedankengut (angehäuft und gut gelagert seit über 100 Jahren!)
3.)linke Ego-Ornanisten (3-4 Joints pro Tag / pro Ornanist / bei Auslieferung nicht im Preis mit inbegriffen!)
4.)wilhelminisch geprägten antiautoritäre nachwuchskrieger aus dem Deutschen World-Of-Warcraft-Netzwerken (zerbrechliche Ware / Achtung!)
Deutschlaaannndd!!! DEUTSCHLANNNDD!!!
Ich stelle mir den brodelnden Bluttopf vor mit all den Köpfen. Und die hungrigen Menschen überall auf der Welt, wie sie zum ersten mal dankend die Unterstützung der Soldaten entgegen nehmen.
Ich beschließe der Regierung von Deutschland gleich morgen einen Brief mit meinem Erkenntnisbericht zu schreiben. Vielleicht signiere ich mit dem alten Hakenkreuzstempel meines Großvaters. Dann kommt das Ding wenigstens an die richtige Adresse.
Auf jeden Fall explodieren die Akkus der Handys, wenn man sie anwählt – interessant. Nur, dass die Terroristen es heute ausgerechnet auf mich abgesehen hatten, war mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Die Bombe explodiert genau in dem Moment, als ich die grüne Taste drücke:
„Heyyyy!“
„Jep?“
„Ich bins! Heyyy!!“
Die helle Stimme am anderen Ende der Leitung bringt mich um den Verstand. Sie fummelt mit ihrer scharfen Klinge in meinem Ohr rum. Wo ist der Tinitus wenn man ihn braucht? Scheiß Stimme. Scheiß Tag.
„Bei mir kribbelt's unten!! … hallo?“
„Hm“
„Bist du noch da?“
Ich gucke Hilfe suchend in meinem Zimmer umher, um irgendwas betäubendes zu finden, was mich nicht mehr da sein lässt. Mission: Gescheitert. Also:
„Leider“
„Was heißt hier leider? Ich muss raus aus meinem Käfig!“
„Who cares? Lass mich in meinem schlafen...“
„22 Uhr bei dir?“
Ich knurre einmal herzhaft und lege auf. In diesem Moment höre ich, wie sich meine Käfiggitter öffnen. Der Tiger ist wütend; Ungezähmt; Der Tiger ist aber viel zu müde und außerdem ist der Tiger auch keine Partylöwe mehr. Ich würde gerne den Werter fressen, wenn er jetzt reinkommt – aber selbst dafür wäre ich wahrscheinlich zu schwach. Mit einem leichten Schwanzwedeln drehe ich mich noch mal zur Seite. Augen zu. Telefonat vergessen - Ein Schaf. Zwei Schafe. Drei Schafe. Vier Schafe... mit üppiger Oberweite. Hmmm...
Der Schwanz hört nicht auf zu wedeln also lege ich Hand an, damit ich nicht wieder ein nicke.
21 Uhr: Aufstehen; Sowas wie Kaffee machen; Brot schmieren; Der Nachbarin am anderen Fenster zuwinken. Warum schreit sie denn so entsetzt? Das alles mit einer Hand zumachen ist gar nicht so leicht. In solchen Momenten wünsche ich mir Anerkennung.
Schwierig wird’s auch, als ich ein Paket an meiner Tür annehmen muss. Ich versuche mit der linken Hand auf dem elektronischen Apparat meine Unterschrift zu hinterlassen. Warum guckt der Postmann so unfreundlich? Wenn er es nicht lesen kann, soll er es halt besser machen. Fertig. Händewaschen.
Den Inhalt des Paketes schütte ich mir in ein Glas.
Meine Freundin war vor einem Jahr nach Lilie ausgewandert und arbeitete als Erntehelferin auf einer Weinplantage. Von dort aus verköstigt sie mich regelmäßig mit den herrlichsten Jahrgängen per Post. Plopp; Ich roch kurz am Korken. Den Kaffee hatte ich schnell vergessen. Nichts konnte Rückstände einer harten Nacht besser verdrängen, als ein ein gutes Glas Wein.
Die Freundin hatte ihren Job per Internet bekommen. Kein Jobportal sondern ein Erotikchat. Sie hat ihre Vagina in die Webcam gehalten und ein Haufen verrücktes Zeugs reingestopft:
Bananen, Flaschen, Stöcker, Kiwis... Der alte Vincer aus Lilie, der sich dabei einen abschlapperte, stand auf so einen Kram. Die Dorfleuten waren verrückte; Das wusste ich schon immer.
Einmal, so hatte sie mir erzählt, musste sie sich mit einem abgestorbenen Stück Fleisch vor der Webcam befriedigen. Der Besitzer der Weinplantage wollte mehr als das tote Fleisch. Sie nahm den nächsten Flieger nach Frankreich und nun bekomme ich regelmäßig den köstlichsten Wein der Provinz.
Mein Freund tritt eine halbe Stunde später ein. Dankend nimmt er ein Glas entgehen.
„Ist das der Wein?“
„Jep.“
Ich setze mich in meinen Ohrensessel und versinke einige Meter darin. Gemütliche Position.
„Hast du keine Angst, dass die Flasche schon mal in deiner Freundin gesteckt hat?“
„Who cares?“
Ich schließe meine Augen und denke an die Nacht. Das ganze feiern; Ich wollte eigentlich gar nicht. Mein Freund setzt sich direkt gegenüber von mir auf den Glastisch.
„Ich würde ja nicht so leichtsinnig damit umgehen - du.“
Der Holzkopf nahm die Flasche und roch prüfend drüber. Dabei sah er genau wie mein Arzt aus, wenn er versuchte eine soziale Haltung gegenüber mir zu wahren, während er mich untersucht. Auf dem letzten Schützenfest hatte Maria mir in ihrer Wahrsagerbude eine Kette aufgeschwatzt, mit der ich die Gedanken meines Arztes hören konnte:
„Wieviel krieg ich für den wohl, wenn ich den anfasse? Mehr als 5 Euro lässt seine Krankenkasse doch sowieso nicht springen. Selbst eine Prostituierte in einem 3. Weltland würde dafür mehr Geld kassieren. Ich zahle mehr für das Desinfektionsmittel, wenn der wieder aus meiner Praxis ist, als ich an dem verdiene. Vielleicht hat er noch irgendwelche Spritzen bei sich. Muss ich noch einen Aids-Test bezahlen, bin ich für diesen Monat wieder in den Miesen...“
Trotzdem trank er aus der Spezialflasche genau wie der Arzt mich behandelte. Der eine kann halt nicht ohne den anderen. Dollar Dollar.
Ich rieb noch mal an meiner Gedankenleser-Kette. Ich trug sie stets um mein rechts Handgelenk. Mein Kumpel war wirklich ein wenig angeekelt von der Flasche, was ich so nicht erwartet hatte. Er ist ein Trinker und Trinker machen sich für gewöhnlich weniger Gedanken um die Herkunft ihrer Drogen. Macht sich ein Arbeitsjunkie Gedanken darüber, wo die Kohle herkommt? Es geht doch nur darum, dass sie am Monatsende auf dem Konto liegt!
Während ich noch weiter gedanklich über Junkys ablässtere, wurde mir klar, dass es Delphinen niemals erlaubt sein würde, über ihr Schicksal zu entscheiden. Nicht sie waren die Abhängigen. Sie würden ewig den gierigen Mündern der Kampfchinesen ausgeliefert sein, welche immer und immer mehr Delphinenfleisch verzehren wollen. Mehr und mehr. Jeden Tag! Mit Delphinenblut spülten sie sich die Zähne aus, wie ich es mit dem nächsten Glas Wein tat!
„Was hältst du eigentlich von Delphinen?“, fragte ich meinen Freund, der inzwischen angefangen hatte zu weinen.
„Meine Frau trug immer ein Halsband, mit einem diamantenen Delphin. Sie war wunderschön, wenn sie ihn trug.
„Deine Frau war eine verdammte Heroin-Nutte! Sie ist selbst schuld, wenn sie nicht mit ihren Shit aufpasst! Sie hatte dich sowieso nie geliebt! “
Ich war überrascht über die Kraft, die ich noch in mir getankt hatte um rumzuschreien. Die folgenden Tränen und schweren Schluchzer meines Gegenüber ignorierte ich zwangsweise, weil mir die Kraft für sekundäre Körperfunktionen fehlten. Das Glas konnte ich noch zum Mund führen. That's life. Ein spanischer Karibikabend in Honolullu am rauschenden Strand. Die Sonne geht unter. Ein Lüftchen umspielt mein Beine. Ich schließe die Augen. Hinter mir kommen die zwei schönsten Barmädchen der schönsten Bar von ganzen Italien auf mich zu geschlendert. Nur noch das rauschen in meinem Ohr. Die Tränen hörte ich schon gar nicht mehr. Mein rechter Fuß schlief ein. Mein Glas fiel auf den Sand und nun vergoss auch ich eine Träne.
Ich öffnete nach langer Zeit wieder die Augen und sah nicht mehr meinen Kumpel, sondern mein verrottetes Spiegelbild. Alles schien nun klar: alt und grässlich war ich geworden. Verbittert. Seit Monaten hatte ich keinen richtigen Tagesablauf mehr. Der Alkohol hatte mir tiefe Risse zugesetzt. Ich war zu Schwach, um mir den Alkohol selbst zu kaufen. Ich stank entsetzlich. Der Mensch, der mich in einer gewissen Ordnung gehalt hatte, war nun wahrscheinlich in irgend einer Opiumhöhle tief tief unter mir. Sehr tief. Wahrscheinlich hat sie dort mehr Spaß als mit mir in meiner Suffhöhle - 11. Etage in Deutschland. Das hier oben war kein Himmel. Nicht ohne sie. Doch es musste weiter gehen.
Dieses mal nahm ich mein Handy. Ich würde die Delphine mitziehen. Wir müssten uns erheben und gegen die bösen Chinesen ankämpfen. Wer wollte schon gerne Fischfutter anderer sein?Revolutionäre Stimmung mischte sich mit dem hochprozentigen Atem, der aus meiner Lunge empor stolperte. Es war kein Kommunismus – um Gottes willen. Irgendwas Neues, auch wenn es nach Fisch stank: Heute würden wir was verändern, um aus diesen Bermudadreieck auszubrechen. Ich und die Delphine:
„Yeh?“
„Ja, ich bin's.“
„Wollen wir was trinken gehen?“
„Yeh.“
„Yeh.“
Piep.
Montag, 5. April 2010
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