Samstag, 16. April 2011

Keine Überschrift möglich*

Indessen funktioniert das Fantreffen im Zug zumindest noch friedlich, im Vergleich zu dem pöbelnden Fußballmob, der sich in der Zugmitte des Metronoms konstituiert. Klar, dass mir beim Aufeinanderprallen zweier Subkulturen gleich die Parallelen bewusst werden.
Von der Qualität der Songauswahl ertrage ich ein „Durch den Monson“ eher, als die diffusen Gesänge der Fußballfans; Wenn sich dafür überhaupt Bewertungsmaßstäbe finden lassen.

„Hat jemand eine Bildzeitung dabei?! [...]“ Nun scheint der Maßstab doch noch gesetzt und ich muss nicht weiter drüber grübeln.
Matze – grüner Schal, bestickt mit dem 96 Fan-Emblem – zeigt sich Hilfsbereit und reicht das Blatt seinem Kumpel. Erste wilde Diskussionen über den dreifachen Kindermörder Martin N., der vom Titelblatt entgegen lächelt, begleiten von einem vierstimmig Kanon („Pippi mach die Beine breit ; Widdewie, Widdewie [...]“). Matze – hin und her gerissen zwischen Kinderschänder und Pippi Langstrumpf – erklimmt neue Tonhöhen und versucht diese mit intensiver Gestik Ausdruck zu verleihen. Seine Bierflasche scheint dabei als eine Art Taktstock zu fungieren. Doch sein kleiner Ausflug ins Reich des dirigieren wird ihm im nächsten Moment zum Verhängnis. Sein ekstatischer Höhepunkt scheint erreicht, als Matze die ihm scheinbar nicht unbekannte Security mit einem Becks übergießt („Matze bist du bescheuert?! […]“) und deswegen auch nicht mehr nach dem Ausweis verlangt wird, sondern direkt über Funk der Name des Fans durch gesagt wird („ […] Das hat 2 Euro gekostet du Arsch!“).
Mittlerweile sind Teile des Mobs zu einem Urteil bezüglich des Zeitungsberichts gekommen („[...]Eier ab!“).
Der nächste Name wird über Funk an die Polizeizentrale durchgegeben, während der Security Kollege – inzwischen umwabert ihn eine leichte Aura aus Bier und Schweiß - dem Metronom-Publikum eine halbstündige Verspätung eröffnet ([…] „Ohhh!“).

Die gemütliche Tokio Hotel Fanrunde wird derweil leicht nervös, weil die um 13 Uhr geplante Eröffnungzeremonie zu scheitern droht. Monatelange Vorbereitungen gingen dieser Zugfahrt voraus. Eine internationale Zusammenkunft von Tokio Hotel Anhängern, ein Ereignis was in den Medien in der so genannten „Nach-Tokio-Hotel-Zeit“,nicht mehr all zu viel Beachtung findet. Der einst für alle noch in Deutschland greifbare Bill Kaulitz hat sein Himmelzelt längst über Halbeuropa & Co. ausgeweitet. Die Zeiten in denen er noch die lokalen Zahnspangen zum strahlen bracht, sind vorbei.
Doch heute soll sich dies – dem vierköpfigen Planungskomitee der Internationale zur Folge – ändern.


[Fortsetzung Folgt]

*Sorry, ich probier grade mit Honigwein heute zu verdrängen. Hirn aussetzen. Überschrift nicht mehr möglich. Sorry, sorry.

Glas hebend,

André